TCM und Emotionen

In der TCM ist die Arbeit mit Emotionen ein entscheidender Teil der Therapie. Jedes Wandlungsreich besitzt eine Haupt-Emotion. Die Chinesische Medizin benennt häufig unverarbeitete bzw. verdrängte Emotionen als die eigentliche Ursache vieler Krankheiten.

Emotionen in der TCM

Die Emotionen der 5 Elemente

Genauso, wie jedem Element der TCM 2 Organe (ein Yin- und ein Yang-Organ) zugeordnet sind, sind auch 5 Emotionen mit den Elementen verknüpft. Eine vereinfachte Zuordnung findest Du in folgender Übersicht.

Wasser

Dem Wasser-Element ist der Mut zugeordnet. Wir brauchen Mut, um die im Wasser (aus den Nieren) aufsteigenden Impulse zu verwirklichen. Denn nicht immer sind diese Impulse gesellschaftskonform. Wir gehen das Risiko ein, abgelehnt oder verurteilt zu werden.

Wenn uns der Mut dazu fehlt, kehrt sich die Emotion in Angst um. 

Dass dies nicht nur ein theoretisches Konzept ist, zeigt die Praxis. So ist es kein Geheimnis, dass Kinderärzte bettnässende Kinder, die eigentlich schon „trocken“ sind, über ihre Ängste befragen. Bettnässen ist ein klares Symptom des Wassers (Blase und Niere).

Holz

Dem Holz wird unter anderem Flexibilität, Wachstum und Entscheidungskraft zugeordnet. Wenn diese Eigenschaften blockiert werden entsteht daraus Wut, die Emotion des Holzes.

Als gesunde Wut bezeichne ich immer, wenn ein kleines Kind etwas erreichen möchte, aber nicht sofort schafft. Solange es noch nichts anderes gelernt hat, reagiert es ganz gesund mit Wut. Aber nicht mit einer zerstörerischen, gegen jemand gerichteten Wut.

Vielmehr mit einer Wut, die es für sich nutzt. Die dem Kind die Energie verleiht, es noch einmal zu probieren und diesmal zu schaffen.

Feuer

Feuer ist Freude und Liebe. Dies ist das authentische Gefühl des Herzens, welches das Yin-Organ des Feuers ist.

Wenn die Freude und die Liebe allerdings verloren gehen, entsteht das Leid. Wir leiden freudlos, was auch zu Depressionen führen kann. Eigentlich sollten wir alles, was wir tun, mit Freude und Liebe tun. Und wir sollten Tätigkeiten hinterfragen, bei denen wir weder Freude noch Liebe empfinden. Warum tun wir etwas, was uns keine Freude beschert?

Erde

Die Erde ist Reflektion. Wenn die Erde schwach oder krank ist, wird aus der Reflektion das Grübeln. Beim Grübeln hängen wir in unseren Gedanken fest. Wir grübeln die ganze Nacht, haben ein Gedankenkarussell, ohne eine „Lösung“ zu finden. Sind wir im Hier und Jetzt, können wir nicht grübeln. Im Hier und Jetzt fühlen wir, was gerade ist.

Insofern ist ein gutes Mittel gegen Grübelei das Fühlen. Beim Grübeln geht es um die Vergangenheit oder die Zukunft. Fühlen können wir nur die Gegenwart. 

Metall

Metall hat emotional mit Trauer zu tun. Es geht im Metall um Loslassen und die Erinnerung. Alles, was ich loslasse, erzeugt ein bisschen Trauer. Wir dürfen uns aber erinnern und lernen.

Laut TCM erinnern wir uns an die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Die Erinnerung an die Zukunft hat etwas mit unserem Instinkt zu tun. Wir entgehen einer Gefahr, weil wir instinktiv einen anderen Weg gewählt haben. Oder weil wir uns an die Zukunft erinnert und deshalb anders gehandelt haben…

Die Arbeit mit den Emotionen

Mit Dir und Deinen Emotionen zu arbeiten bedeutet für mich zum einen, dass Du mir Deine Emotionen zeigen darfst, wenn sie da sind. Zum anderen bedeutet es, dass ich auch schon einmal – wenn es sinnvoll ist und Dich weiterbringen kann – Emotionen in Dir auslöse.

Auf jeden Fall frage ich meine Patienten regelmäßig, wie sie mit bestimmten Emotionen umgehen. Am häufigsten arbeite ich mit meinen Patienten an der Wasser-Feuer-Achse. dies ist die „Vitalachse des Lebens„, die Mut, Angst, Freude und Leid beinhaltet. Wenn diese Achse geklärt und gesund ist, lebst Du mit Freude, Akzeptanz und Dankbarkeit – unabhängig von Deinen Krankheiten und Problemen.

Natürlich fällt es uns nicht immer leicht, unsere Emotionen zuzulassen. Wir haben schon als kleines Kind gelernt, dass „ein Indianer keinen Schmerz kennt“. Tränen durften wir nicht zeigen, oder sie wurden sofort weggewischt. „Hör doch auf zu weinen“ hören viele Kinder. Doch ohne Tränen sind die Emotionen ja nicht weg. Sie werden nur unterdrückt. In meiner Praxis freue ich mich, wenn Patienten weinen. Wenn sie ihre Gefühle zeigen und dazu stehen, dass es ihnen nicht gut geht, oder dass sie von etwas berührt sind. Und gar nicht so selten weine ich dann einfach mit…